Museo Tattile Statale Omero
Mit anderen Sinnen sehen

Das Museo Omero, untergebracht in der Mole Vanvitelliana von Ancona, entstand aus einer einfachen und radikalen Idee: Kunst auch für diejenigen zugänglich zu machen, die nicht sehen können. Aber es darauf zu reduzieren wäre zu kurz gegriffen. Hier verändert sich die Geste, sobald man eintritt. Die Hände werden zum Erkenntnisinstrument. Die Oberflächen werden langsam erkundet. Marmor, Bronze, Gips. Formen enthüllen sich durch den Tastsinn, nicht durch die Distanz.
Reproduktionen großer Meisterwerke der klassischen und modernen Kunst leben neben Originalwerken, die zum Berühren gedacht sind. Keine Barriere. Kein Glas dazwischen. Das Erlebnis ist körperlich. Direkt. In der Stille der Säle entsteht eine andere Art von Konzentration. Man hört die Beschreibungen, folgt den Konturen mit den Fingern, rekonstruiert im Geist, was die Augen nicht erreichen. Das Museo Omero ist nicht nur Inklusion. Es ist ein Perspektivwechsel. Eine Einladung an alle, Sehende wie Nicht-Sehende, innezuhalten und die Art, wie wir uns der Kunst nähern, neu zu überdenken. Ancona zeigt hier sein zeitgenössischstes Gesicht. Sensibel. Aufmerksam. Tiefgründig.




