Caffè degli Specchi

Seit 1839 blickt es auf die Piazza Unità d'Italia und bewahrt zugleich ihre Erinnerung.

In Triest fließt der Kaffee durch seine Straßen.

Es gibt Orte, die die Stadt beobachten. Und andere, die sie sich erinnern, wie eine wiederentdeckte Postkarte irgendwo im Haus der Großmutter. Das Caffè degli Specchi tut beides. Seit 1839 blickt es auf die Piazza Unità d'Italia und bewahrt zugleich ihre Erinnerung. Sich hier hinzusetzen führt unweigerlich zu einem anderen Rhythmus. Der Platz bleibt weit, licht, fast theatralisch. Drinnen hingegen wird das Licht weicher. Die Spiegel vervielfachen die Reflexionen, die Stimmen dämpfen sich, der Marmor der Tischchen bewahrt die Geste derer, die zuvor innegehalten haben. Triest ist Hafen. Grenze. Durchgang. Das Caffè degli Specchi hingegen ist Rast. Hier ist der Kaffee eine Pause mit präziser Form: die der kleinen Tasse, des Löffels, der das Porzellan streift, während der Blick zum Meer gleitet. Es war Treffpunkt für Intellektuelle und Kaufleute, für Offiziere und Reisende. Noch heute tritt man ohne Hast ein. Man wählt, ob man drinnen bleiben möchte, zwischen Stuck und habsburgischer Erinnerung, oder draußen, mit dem Platz, der vor den Augen atmet. Der Wind kann plötzlich aufkommen und das Licht sich in wenigen Minuten verändern. Aber Triest ist so. Unberechenbar, gewiss, aber nie exzessiv.

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