MoloAudace

Triest ist eine Stadt, die man geht, das weiß jeder. Aber hier geht man buchstäblich darüber. Das Molo Audace ist eine Linie, die ohne Zögern ins Meer eintritt. Keine Kurven. Keine Dekoration. Nur Stein, der sich in die Adria erstreckt.

Am Anfang bleibt die Stadt hinter einem. Die ordentlichen Fassaden. Die Kuppeln. Das elegante Profil der Piazza Unità d'Italia. Dann, Schritt für Schritt, bleibt nur Wasser. Im Laufe des Gehens spürt man das offene Meer und die Natur in ihrer ungefilterten Kraft. Hier spürt man den Wind wirklich. Die Bora drängt. Die Sonne reflektiert, blendend. Das Molo ist eine Absichtserklärung einer Meeresstadt, eine Einladung, Abstand zu nehmen, während man noch von den sicheren Mauern gehalten wird. Man bleibt am Ende stehen, wo das Meer auf allen Seiten umgibt. Man blickt zur Istria. Man bleibt in kontemplativer Stille. Typisch für das Limbo. Denn hier versteht man mit den Augen, dass Triest eine Grenzstadt ist. Aber dass Grenze in diesem Fall keine Schließung bedeutet, sondern Öffnung.